Wasser ist essentiell für das Leben, aber ein übermäßiger Konsum kann gefährlich sein. Eine Wasservergiftung tritt auf, wenn der Salzhaushalt des Körpers durch den Konsum großer Mengen hypotoner Flüssigkeit gestört wird. Die Auswirkungen variieren von unspezifischen Beschwerden wie Kopfschmerzen und Übelkeit bis zu schweren Komplikationen wie einem Hirnödem. Fallstudien und Risikogruppen verdeutlichen die besonders gefährdeten Personen und demonstrieren, wie Prävention und zielgerichtete Therapie Leben retten können.
Der Körper des Menschen setzt sich zu mehr als 50 % aus Flüssigkeit zusammen. Sie fungiert unter anderem als Wärmeregulator sowie als Transport- und Lösungsmittel. Bei normaler Belastung und in einem gemäßigten Klima verliert der Körper gleichzeitig täglich etwa 2,5 Liter Wasser durch Haut, Atmung und Urin. Flüssigkeitsaufnahme ist notwendig, um dieses Defizit auszugleichen; andernfalls besteht die Gefahr einer Dehydratisierung.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, im Laufe des Tages 1,5 bis 2 Liter zu trinken. Die exakte Menge und Frequenz sind dabei von individuellen Faktoren wie Alter, Klima oder körperlicher Belastung abhängig. Normalerweise schützt ein körpereigenes Regulationssystem vor einem unbeabsichtigten Wassermangel: Das Peptidhormon ADH (antidiuretisches Hormon) ist dafür verantwortlich, dass der Urin konzentriert wird. Hinweise auf einen Mangel sind unter anderem Kopfschmerzen und dunkler Urin.
Risiko der Überwässerung
Auch wenn die meisten Leute – vor allem bei Hitze oder Anstrengung – Angst haben, zu wenig Flüssigkeit zu sich zu nehmen: Es gibt auch das Risiko, über den Durst hinaus Wasser zu trinken. Ein Flüssigkeitsüberschuss kann den Stoffwechsel und den Mineralhaushalt beeinträchtigen.
Eine Wasservergiftung, die durch einen zu niedrigen Natriumspiegel im Blut gekennzeichnet ist, tritt auf, wenn in kurzer Zeit übermäßige Mengen Wasser aufgenommen werden. Dies wird medizinisch als Hyponatriämie bezeichnet.
Klinisch relevante Fallberichte
Trotz der Tatsache, dass es bei Erwachsenen sehr selten zu Wasservergiftungen kommt, sind dokumentierte Fälle vorhanden. 2007 kam die 28-jährige Jennifer Strange bei einem von einem kalifornischen Radiosender organisierten Wasser-Wett-Trinken ums Leben, vermutlich nachdem sie innerhalb von drei Stunden fast acht Liter Wasser konsumiert hatte.
In Deutschland wurde kurz zuvor eine Patientin, bei der nach zerebralen Krampfanfällen eine zunehmende Bewusstseinstrübung auftrat, in eine Klinik eingeliefert. Sie erbrach sich, nachdem sie versehentlich größere Mengen eines Entkalkers konsumiert hatte, und trank anschließend mehrere Liter Wasser zur „Entgiftung“. Auch sie hatte eine schwere Wasservergiftung, wurde aber erfolgreich behandelt.
Hyponatriämie: Ihre Pathophysiologie
Ärzte kennen das Problem der Wasservergiftung. Hyponatriämie. Wenn große Mengen Wasser konsumiert werden, hat dies eine Verdünnung des Blutes und eine Störung des körpereigenen Salzhaushalts zur Folge. Bei dem Konsum hypotonischer Flüssigkeit in großen Mengen innerhalb kurzer Zeit erhöht sich das Risiko. Es handelt sich dabei um Flüssigkeiten, deren Konzentration an gelösten Stoffen wie Natrium oder Kalium im Vergleich zum Blut oder dem Zellinneren geringer ist. Als typische Beispiele gelten Tee, Mineral- und Leitungswasser.
Weil diese Flüssigkeiten einen geringen Anteil an gelösten Stoffen aufweisen, verringert sich das Volumen, das die Nieren maximal ausscheiden können. Wenn die Aufnahme die Ausscheidungskapazität übersteigt, bleibt Wasser im Körper zurück und verdünnt die absolute Natriummenge im Blut. Die zentrale pathophysiologische Veränderung ist die als hypervolämische Hyponatriämie bezeichnete Form der Hyponatriämie.
Weil diese Flüssigkeiten einen geringen Anteil an gelösten Stoffen aufweisen, verringert sich das Volumen, das die Nieren maximal ausscheiden können. Wenn die Aufnahme die Ausscheidungskapazität übersteigt, bleibt Wasser im Körper zurück und verdünnt die absolute Natriummenge im Blut. Die zentrale pathophysiologische Veränderung ist die als hypervolämische Hyponatriämie bezeichnete Form der Hyponatriämie.
Anzeichen einer Wasservergiftung
Wegen des gestörten Gleichgewichts von Natrium und Kalium verlagert sich Wasser auf zellulärer Ebene durch Osmose vom extrazellulären in das intrazelluläre Milieu. Die Zellen nehmen mehr Flüssigkeit auf, als sie abgeben können, und schwellen an. Gehirnzellen reagieren besonders empfindlich, da das Gehirn durch den Schädel begrenzt ist.
Zu Beginn sind die Symptome einer aufkommenden Wasservergiftung nicht spezifisch: Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindelgefühl, Störungen der Konzentration oder leichte Bewusstseinsstörungen.
In fortgeschrittenen Stadien können Nierenversagen, Herzrhythmusstörungen oder ein Hirnödem auftreten.
Alltagsvorbeugung
Im Alltagsleben besteht normalerweise kein Risiko für eine Wasservergiftung. Eine präventive Maßnahme besteht darin, sich an der empfohlenen Trinkmenge von 1,5 bis 2 Litern täglich zu orientieren. Das bedeutet, dass nicht über den Durst getrunken werden soll.
Nur selten entwickeln gesunde Erwachsene hypervolämische Hyponatriämien, und wenn, dann durch die kurzfristige Aufnahme großer Mengen hypotonischer Flüssigkeiten. In der Regel gibt es noch weitere Risikofaktoren, wie z. B. hormonelle Erkrankungen, eine medikamentöse Therapie oder Drogenkonsum.
Personen mit besonderer Gefährdung
Auch Extremsportler, vor allem Marathonläufer, haben ein höheres Risiko. Bei Schweißverlust geht auch Natrium verloren, und körperliche Belastung hat Auswirkungen auf die Hormonsekretion. Während einer Stunde verliert ein Läufer zwischen 0,5 und 1,5 Liter Wasser sowie bis zu drei Gramm Natrium.
Im Amateurbereich wird jedoch oft über den Durst getrunken, aus Angst vor Dehydratisierung. Ein Triathlet, der 2015 nach dem Ironman in Frankfurt (am Main) verstorben ist, war 30 Jahre alt. Bei ihm wurde eine Wasservergiftung festgestellt.
Heilbehandlungen
Die Therapie besteht darin, Natrium und Mineralstoffe schnell zu verabreichen. Nur die sofortige Verabreichung von Kochsalz, sei es oral oder intravenös in Form einer hypertonischen Lösung, kann den osmotischen Druck im extrazellulären Raum rasch normalisieren.
Wasser bewegt sich vom intrazellulären in den extrazellulären Raum, die Gehirnschwellung verringert sich und in den folgenden Stunden scheiden die Nieren überschüssiges Wasser über den Urin aus.
